re:publica 12

Als re:publicaner der ersten Stunde war ich etwas skeptisch, was den Locationwechsel anging. Daß etwas verändert werden musste war klar ob des rasanten Wachstums, aber wie würde die neue Location sich auf den Charakter der re:publica auswirken? Um es kurz zu machen: bestens! Ich kann mich hier nur in das Loblied aller anderen einreihen. Viel Platz für die Vorträge, Stagehopping war sehr gut möglich und nur wenige Sessions waren so voll, daß man keinen Sitzplatz mehr fand. Die große Fläche in der Mitte mit dem “Affenfelsen”war ein sehr guter zentraler Anlaufpunkt und der Innenhof der Kalkscheune hat mit dem Platz vor der STATION BERLIN einen würdigen und größeren Nachfolger gefunden.

Inhaltlich gab es eine irre Vielzahl von Vorträgen, so daß man die Qual der Wahl hatte. Besonders hervorheben möchte ich die folgenden:

  • Why Freedom of Thought Requires Free Media and Why Free Media Require Free Technology – Eben Moglen zeichnete ein düsteres Szenario der Internetnutzung, welches von Überwachung  und Ausspionieren des individuellen Nutzers geprägt und so eingeschränkt wird. Nur durch ein freies Internet können sich Gedanken und Ideen frei entwickeln. Ich mochte auch die Art seines Vortrags: freies Referat über eine Stunde, eloquent, mit sonorer Stimme. Großartig. Hier noch ein Interview mit Moglen nach seinem Vortrag.
  • Finanzblogs: Raus aus der digitalen Nische?! – angesetzt über 90 Minuten war schon nach 10 Minuten klar, daß hiermit kein Blumentopf zu gewinnen wahr. Trutschig moderiert, ohne Tiefgang war das kein Aushängeschild für die Branche. Das wichtige was auch ich aus der aktiven Kommunikation zur Finanzkrise gelernt habe, ist, daß den Menschen das Finanzsystem in allen seinen Facetten näher gebracht werden muss, nur mit mehr Wissen und mehr Verständnis für Zusammenhänge kann auch der “einfache” Bank- oder Sparkassenkunde Zugang finden. Da ist mir Jenny Ger’s “Banking für Blondinen” zehnmal lieber als irgendein heisser Aktientipp.
  • Recht auf Vergessen und Erinnerungskultur – sehr spannende Podiumsdiskussion öffnete den Blick auf die Vergangenheit, auf den Umgang mit sensiblen Daten beispielsweise in Archiven und Museen und auf die Bedeutung von solchen Informationen für Forschung und die Erinnerungskultur. Typisches Beispiel für ein Themenspektrum, mit dem ich mich ohne die re:publica nicht beschäftigt hätte.
  • Sascha Lobos Überaschunsvortrag – Achtung, jetzt mit mehr Tiefgang als sonst! Vorhersehbar in Didaktik und Polemik, aber das macht Sascha eben sehr gut. Er bietet immer Reibungsfläche und “Interessanz” auch für die, die ihn bescheuert finden. Jedenfalls war Stage 1 so knallvoll wie nie.
  • Let’s streit: Wer darf mich wie tracken? – Vom Format her eines der besten Panels, die ich gesehen hatte. Weil es bewusst auf Konfrontation ausgelegt war. Auf der einen Seite Stephan Noller (nugg.ad) als Vertreter der “bösen” Seite der Wirtschaft, Falk Lüke als der “gute” Datenschützer. Stephan machte seine Sache sehr gut, das Internet funktioniert nicht sinnvoll ohne Cookies und Trackingmethoden, wichtig ist an der Stelle, daß die Permissiones des Users sauber erklärt und dargestellt werden. All die Meckerköppe im Publikum sollten sich mal fragen, ob sie bei Facebook gut aufgehoben sind oder ob sie sich ihre iTunes Nutzerbestimmungen mal durchgelesen haben. Werbung im Internet ist nicht das “Böse”, sondern in vielen Fällen das einzig tragbare Geschäftsmodell für größere Anbieter – oder auch für den kleinen Blogbetreiber, der sich über Google AdSense zumindest mal die Hostingkosten reinzuholen versucht.
    Auf jeden Fall würde ich mich freuen, auf zukünftigen Konferenzen mehr von diesem konfrontativen Format zu sehen.
  • Copyriots! Der Kampf der Kulturen - Spanndes, von Johnny moderiertes Panel zu den Fragen “Wie können Urheber Geld verdienen, ohne sich im Selbstmarketing aufreiben zu müssen? Woher kommt künftig das Geld für Kunst?” Bei den Panelteilnehmern ging es mehr darum, wie das von den Verwertungsgesellschaften eingenommene Geld fair verteilt wird, mir fehlte da aber etwas die Unternehmenssicht, für die es manchmal schier ein Ding der Unmöglichkeit ist – und ich spreche da aus eigener Erfahrung – sich beispielsweise mit der GEMA auf ein Preismodell zu einigen für etwas, das nicht den Standardkategorien der GEMA entspricht.
  • soylent green, äh, the internet is people! – Schwenzel wieder mal at its best. Nicht wirklich neu, aber sehr unterhaltsam!
  • Social Media Nutzung der Bundesregierung – Ein Interview mit @RegSprecher – Eloquenter Auftritt eines Medienprofis, der mindestens ebenso volles Haus hatte wie Sascha Lobo an Tag 1. Viele Lacher und dankbare Zitate wie “… Kampf gegen die Piraten – am Horn von Afrika” oder “Man sollte in Sachen Modernität nicht weit hinter dem Vatikan liegen!” Wenn jedes Mitglied der Budesregierung so entspannt in seiner Internet- und Social Media-Nutzung wäre, würden wir sicherlich viele Diskussionen um das “pöse” Internet anders führen.

Ein schöner Abschluss war dann noch abends die #tassebier, nochmal alles Revue passieren lassen und noch ein paar Leute kennen lernen, die man in den letzten drei Tagen noch nicht getroffen hatte. Und ganz wichtig:

Nach der re:publica ist vor der re:publica. Ich freue mich auf 2013 und schnitze schon an ein paar Ideen für eigene Beiträge, getreu dem diesjährigen Mottos “Action” (welches visuell übrigens sehr schön umgesetzt war, fand ich toll!)

Fünf am Freitag: Interview zu Social Media Monitoring

Neulich wurde ich von ethority interviewt zum Thema Social Media Monitoring allgemein und zum Umsetzungsstand in der Sparkassen-Finanzgruppe. Heute wurde das Interview veröffentlicht, bitte hier lang. Oder hier weiterlesen:

1. Social Media Monitoring in 2012: Aus Ihrer Sicht zwingend erforderlich oder nur zusätzliches Tool in einer Strategie?

Social Media Monitoring ist in der Sparkassen-Finanzgruppe ein essentielles Basiswerkzeug in der Kommunikation. Zum einen als Grundlage unseres eigenen Reputationsmanagements, zum anderen aber auch als Marktforschungstool und zur Resonanzmessung unserer Social Media-basierten Kampagnen wie die diesjährige “Giro sucht Hero”-Kampagne.

2. Wo sehen Sie die wichtigsten Trends im Social Commerce?

Ich sehe nicht unbedingt den Trend, Produktabschlüsse direkt über Social Media-Plattformen zu tätigen, vor allem nicht im Finanzdienstleistungsbereich. Aber die Meinungsbildung und Informationsaggregation zu Produkten und Dienstleistungen wird massgeblich auch über Social Media bestimmt. Daher ist es für uns wichtig, in Social Media-Umfeldern Informationen und Angebote bereit zu halten, die es unseren Kunden und Zielgruppen möglichst einfach machen, mit uns zu interagieren und die auch einen Mehrwert darstellen.

3. Wie bewerten Sie die aktuelle Debatte rund um das Thema ROI im Social Media?

Die Social Media-Aktivitäten einer Marke oder eines Unternehmens können nicht im luftleeren Raum stattfinden, daher ist die Diskussion um messbare Ergebnisse wichtig und richtig, um auch die damit verbundenen Aufwände zu rechtfertigen. Der ROI kann aber nicht oder nicht nur anhand von Umsatz- und Ertragsgrößen definiert werden, Social Media ist komplexer als das. Den Ansatz der Social Media Balanced Scorecard zeigt hier vielfältige Aspekte jenseits von rein finanziellen Größen, die den ROI definieren können.

4. Was fasziniert Sie an Social Media besonders?

Als gelernter “klassischer Werber” hat es mich früher immer gestört, daß man zuerst eine groß angelegte Kampagne umsetzt und danach wiederum viel Geld in Marktforschung anlegen musste, um nachzuweisen, wie sich die Imagewerte meiner Zielgruppe in Bezug auf mein Produkt oder meine Dienstleistung verändert haben. Onlinekommunikation und im speziellen Social Media-Kommunikation gibt mir unmittelbares Feedback, wo ich mit meiner Marke und meinem Produkt stehe. Viele Unternehmen scheuen noch den Social Media Dialog aus Angst vor Kritik und negativen Äusserungen. Das Gegenteil sollte der Fall sein: begrüßen Sie Kritik, begegnen Sie ihr auf Augenhöhe und sehen Sie darin immer eine Chance zur Verbesserung ihres Produktes oder Ihrer Dienstleistung. Die Sparkassen haben in Deutschland 50 Millionen Kunden und die sagen uns schon sehr genau, wo der Schuh drückt. Unsere Pflicht ist es, dem Kunden zuzuhören und ihn Ernst zu nehmen, gerade in Zeiten einer Finanzmarktkrise.

5. Bevorzugen Sie Facebook oder Google+ ? “Liken Sie noch, oder Plussen Sie schon?”

Wir “liken”, beobachten die Entwicklungen rund um Google+ aber weniger aus dem Social Media-Blickwinkel sondern mehr aus dem SEM / SEO-Blickwinkel. Für Social Media-Dialog hat Google+ derzeit noch einige Defizite (Reichweite, fehlende Interaktionsmöglichkeiten auf Unternehmensseiten, kryptische URL’s, Adminstrukturen von Unternehmensseiten), die aus unserer Sicht erstmal gelöst werden müssen, bevor wir aktive Präsenzen dort in Betracht ziehen würden.

6. Geschäftsbereichsleiter Online-Marketing bei Sparkassen-Finanzportal GmbH – wie können wir uns das vorstellen? Wie sieht Ihr Tagesablauf aus?

Als zentraler Internetdienstleister der Sparkassen-Finanzgruppe beraten und unterstützen wir die 428 Sparkassen in Deutschland in allen Belangen des Online-Marketings und -Vertriebs. Durch die dezentrale Struktur der Sparkassen ist das viel mit Reisetätigkeit verbunden, die einen auch in die ländlicheren Gebiete Deutschlands führt. Social Media ist momentan auch das bestimmende Thema unserer Gespräche mit den Sparkassen, da wir uns früh dem Thema gewidmet haben können wir unseren Sparkassen schon sehr ausführliche Informationen und Services rund ums Thema anbieten. Social Media Monitoring zum Beispiel ist hier für die meisten Sparkassen ein unverzichtbares Tool geworden, um eben auch die Diskussion im Social Web zum eigenen Institut besser erfassen und bewerten zu können um letztendlich auch in einen aktiven Dialog mit den Kunden zu treten.

Vortrag zu “Online-Strategien in Banken und Versicherungen”

Im Rahmen der Euroforum-Tagung ”Online-Strategien in Banken und Versicherungen” habe ich gestern in Düsseldor einen Best-Practise-Vortrag “Beispiel Banken: Das Vertriebsmedium Internet optimal nutzen!” gehalten. Die Themenschwerpunkte waren:

  • Umsetzung einer erfolgreichen Internet-Präsenz
  • Onlinemarketing-Maßnahmen
  • Social Media: Nur ein Baustein im Onlinevertrieb!
  • Ressourcenplanung und Krisenmanagement

Mein Vortrag findet sich hier zum Download.